WELT | 10 March 2018

Welt author Rahel Zingg has featured Signe Pierce in an article about young artists’ use of social media to combat societies standards of acceptability (article in German).


Instagram, warum willst du diese Fotos nicht zeigen?

By Rahel Zingg

Junge Künstlerinnen kämpfen für eine neue Ästhetik und Darstellung von Sexualität in den sozialen Netzwerken. Eine Ausstellung in Leipzig zeigt ihre Arbeiten: alles Bilder, die bei Instagram gelöscht wurden.

Der weibliche Körper entfacht regelmäßig Kontroversen im Netz. Als attraktiv gilt, wer auf Fotos jung, schlank und stoppelfrei ist. Dafür genügt ein Blick auf Instagram – wo viele Nutzerinnen ihre Bilder mit so vielen Filtern unterlegen, bis ihr Leben makellos erscheint. Nicht so die Ausstellung „Virtual Normality. Netzkünstlerinnen 2.0“.

Das Leipziger Museum der bildenden Künste widmet sich nun „Reality Artists“ wie Signe Pierce oder Online-Exhibitionistinnen wie Molly Soda, die solche Schönheitsideale und weibliche Rollenklischees hinterfragen. Schonungslos wird den Zuschauern vor Augen geführt, wie soziale Medien den Feminismus und die Selbstwahrnehmung beeinflussen.

Porno trifft Popkultur

„Vielen Dank, Instagram, dass du noch einmal klarstellst, dass eine unrasierte Bikinizone zensiert gehört“ – schrieb die Fotografin Petra Collins 2013 als Antwort auf die Entscheidung der Plattform, ihr Profil zu löschen. Collins hatte ein Foto von sich gepostet, in dem Schamhaare hervorlugten.

Es sind Vorfälle wie dieser, die Künstlerinnen wie Arvida Byström zum Anlass nehmen, um gegen die Zensur auf Instagram zu protestieren und sich kritisch mit der Frage auseinanderzusetzen: Wann ist ein Frauenkörper schön genug für die sozialen Medien? „Wir brauchen ein Upgrade auf die Art und Weise, wie wir auf unsere Körper blicken und sie bewerten“, sagt Byström.

Klar ist, dass sich das Internet nicht unbedingt demokratisch verhält. Instagram & Co. entscheiden, was beleidigend und was Kunst ist. Über 500 Millionen Menschen weltweit teilen und kommentieren täglich Fotos, bis zu 40.000 Bilder pro Minute – also beinahe 60 Millionen am Tag – schwirren über die App ins Internet.

Nicht alle davon entsprechen jedoch den strengen Richtlinien der Betreiber. Es gibt Dinge, welche die App strikt verbietet, solche Bilder werden dann von den Userprofilen gelöscht. Dazu gehören explizite Darstellungen von Gewalt und illegalen Handlungen, aber auch Nacktfotos, Brustwarzen und Schamhaare – aber nur weibliche! Bei Brustwarzen von Männern ist das Netzwerk nicht so streng.

Doch Instagram reguliert nicht nur die Frage von Nacktheit, sondern greift auch in die Körpersprache ein. So entscheidet das Netzwerk beispielsweise, wie der weibliche Körper gezeigt werden darf – und was zu obszön ist. Dem Kollektiv der Netzkünstlerinnen 2.0 hingegen geht es um Selbstbestimmung. Sie wollen selbst darüber entscheiden, wie ihre Körper im Internet dargestellt werden. Wenn sie nackt sein wollen, sind sie nackt. Immer wieder spielen sie mit Klischees und Stereotypen. Ihre Bildsprache ist aggressiv, manchmal grotesk und trotzdem feminin und ästhetisch.

Und: Es löst Unbehagen aus, wenn Arvida Byström und Molly Soda kritisch über Schönheitsideale reflektieren und Unbequemes wie ihre Periode und Körperhaare zeigen. Aber vielleicht können sie damit auch ein Stück dazu beitragen, dass eine weibliche Brustwarze irgendwann nur das ist, was sie tatsächlich ist. nämlich eine Brustwarze – und kein Skandal.

Sammelausstellung „Virtual Normality. Netzkünstlerinnen 2.0“, vom 12. Januar bis zum 8. April 2018 im „Museum der bildenden Künste“ in Leipzig an der Katharinenstraße 1.

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